Und das Licht geht aus

Ein leichtes Kribbeln. Völlig unauffällig und leise. Bemerkst es kaum, denn alles andere ist zu laut. Die Straße. Das Auto. Die darin sitzende Frau und ihr Kind auf dem Beifahrersitz. Hättest es fast nicht bemerkt, doch es kribbelt. Mal wieder. Kein Jucken. Kein Ziehen. Diesmal ist es angenehm. Fast schon schön. Mit jedem Schritt wird es intensiver. Ein unbekannter Rhythmus begleitet von meiner Stimme. Manchmal verpasst sie ihren Einsatz, aber das ist dir egal. Hauptsache es ist nicht mehr so ruhig. In deinen Gedanken.

Wir laufen durch bunte Gassen. Unter uns das Gestern. Vor uns ein Nebel voller Ungewissheit. Doch zwischen uns ist dieses schöne Gefühl der Vertrautheit. Der Nähe. Und das genügt für den nächsten Schritt. Kann man doch nie sagen, wie lange es anhalten wird. Wie lange die Farben jede deiner Bewegungen begleiten. Du fürchtest den Moment, wenn das Licht ausgeht. Plötzliche Schwerelosigkeit für zwei kurze Schläge deines Herzens. Danach ist alles wie zuvor. 

Ich schaue dir immer noch in die Augen.

Du schaust noch immer in Richtung Licht. 

Verlässt ein Mensch dein Leben, so baust du ihm Denkmäler. Malst Bilder aus Erinnerungen und schreibst Lieder zu seiner Rückkehr. Doch da kommt niemand. Ein Zustand des Wartens, der unerträglich wird. Das Warten macht dich schlapp. Entzieht dir das faszinierende Grinsen, auf das du mal so stolz warst. Nun ist es fort. Wie so viele andere Dinge. Wie auch das Kribbeln. Dieser farblose Moment, der dennoch alles strahlen lässt. 

Warum ist dann gerade etwas anders? Ich kann es dir nicht sagen. Du kannst es mir nicht erklären. Aber das Wippen deiner Finger und Zittern deiner Stimme verrät es. Heute kam jemand zurück. Blickt staunend auf deine Denkmäler. Von Bildern umgeben und von Liedern geleitet. Ich kann nicht anders. Nehme dich an der Hand und frage, ob ich ein paar Augenblicke dabei sein darf… 

Du schaust mir zaghaft in die Augen.

Ich schaue noch immer zu dir.

Und das Licht geht aus.

Doch die Furcht. Sie fehlt. 

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